Die Universität in Vechta trägt einen Namen, der geeignet ist, Missverständnisse auszulösen: “Hochschule Vechta” (zu ihrer Homepage gelangen Sie hier). Die so genannte Hochschule Vechta ist keine Fachhochschule (wie etwa die “Hochschule Bremen”), auch keine pädagogische Hochschule, sondern eine wissenschaftliche Hochschule mit Universitätsstatus, das heißt, sie hat das Promotions- und das Habilitationsrecht. Sie ist auch keine private (katholische) Hochschule, wie häufig von Außenstehenden vermutet wird, sondern eine staatliche Universität (des Landes Niedersachsen).


Geschichte der Hochschule Vechta

Die lange Tradition der Universität in Vechta, die ihren bisherigen Höhepunkt mit der Errichtung einer selbstständigen Hochschule am 1. Januar 1995 fand, begann am 2. August 1830 mit der Einrichtung einer Normalschule durch das Großherzogtum Oldenburg. Im Anschluss an die Konzepte des münsterschen Reformpädagogen Bernard Overberg (1754-1826) sollte mit der Gründung die qualifizierte Lehrerausbildung für die katholischen Gebiete Südoldenburgs gesichert werden. Die neue Einrichtung entwickelte sich schnell und passte sich den wechselnden Anforderungen an. So dauerten die angebotenen Kurse zunächst nur drei Monate, aber schon 1837 wurde der erste einjährige Kursus angeboten, um den gestiegenen Ansprüchen zu entsprechen. Diese Tendenz setzte sich durch, und seit 1856 wurden nur noch Einjahreskurse angeboten.

Trotz verschiedener weiterer Reformen war das Normalschulkonzept im Vergleich zur sonstigen Situation der Lehrerausbildung, etwa in Preußen, seit der Mitte des 19. Jahrhunderts überholt. Die Staatsregierung Oldenburg eröffnete daher in Vechta am 1. Mai 1861 ein katholisches Volksschullehrerseminar. Durch diese Gründung wurde die Ausbildung dem in anderen Ländern üblichen Standard angepasst; neue Lehrkräfte wurden eingestellt, das Seminar erhielt ein eigenes Gebäude und zusätzliche Lehrmittel. Außerdem wurde eine eigene Übungsschule eingerichtet, die den Praxisbezug der Seminarausbildung sicherstellen sollte.

Nach der Reichsgründung 1871 wuchs das Bestreben, eine reichseinheitliche Form der Lehrerausbildung zu erreichen. Auch in Vechta mussten das Seminar und seine Kurse angepasst werden: Weitere Lehrkräfte wurden eingestellt, die Gebäude wurden ausgebaut und die Dauer der Ausbildung auf drei Jahre erhöht. Gleichzeitig stieg auch allmählich die Zahl der Studenten. Bis zum 1. Weltkrieg erhöhte sich die Dauer der Kurse noch mehrmals, so dass 1914 eine Ausbildung zum Volksschullehrer sechs Jahre dauerte. Allerdings war das Eintrittsalter der Studenten mit 15, 16 Jahren auch relativ niedrig.

Das Ende des Kaiserreiches und der Neuaufbau der Weimarer Republik brachten wiederum eine Reform der Lehrerausbildung mit sich. Nach langen Diskussionen um Standorte und Inhalte wurde am 1. Mai 1928 der "Pädagogische Lehrgang" in Vechta eröffnet. Die Studiendauer betrug nun vier Jahre und war inhaltlich sehr breit, sodass die Volksschullehrerausbildung deutlich an Niveau gewann. Allerdings konnten wegen der extrem schlechten öffentlichen Finanzsituation zur Zeit der Weltwirtschaftskrise nicht alle Reformvorhaben verwirklicht werden.

Nur ein kurzes Leben war der von den Nationalsozialisten eingerichteten "Oldenburgischen Lehrerbildungsanstalt Vechta" beschieden, die seit dem 1. April 1941 den "Pädagogischen Lehrgang" ersetzen sollte. Da die neue Einrichtung aber mehr als HJ-Schule und NS-Kaderschmiede betrieben wurde und der 2. Weltkrieg sein Übriges tat, war diese Umorganisation ein völliger Fehlschlag. Es gelang keinem einzigen Kandidaten, ein vollständiges Examen abzulegen.

Die Kapitulation Deutschlands, die Tätigkeit der britischen Militärregierung in Südoldenburg und der Aufbau der Bundesrepublik Deutschland und des Landes Niedersachsen brachten auch für die Lehrerausbildung in Vechta grundsätzliche Veränderungen. Am 19. Mai 1946 wurde zunächst die "Staatliche Pädagogische Akademie Vechta" eröffnet, die 1947 vom Land Niedersachsen übernommen und am 7. Mai 1948 als "Pädagogische Hochschule" eigentlich ihre endgültige Form finden sollte. Im Zuge der häufigen Bildungsreformen in der Bundesrepublik Deutschland änderten sich die Verhältnisse jedoch noch mehrmals. Am 1. April 1969 wurden die acht Pädagogischen Hochschulen in Niedersachsen zur "Pädagogischen Hochschule Niedersachsen" zusammengefasst. Vechta hatte damals bereits einen Sonderstatus, da mit dem Niedersachsenkonkordat vom 26. Februar 1965 der katholischen Kirche für diesen Standort die Ausbildung katholischer Lehrer garantiert worden war.

Im Zuge des niedersächsischen Hochschulausbaus wurde die Einrichtung in Vechta am 5. Dezember 1973 als Abteilung in die neugegründete Universität Osnabrück und nicht in die ebenfalls neugegründete Universität Oldenburg eingegliedert. Somit war nun die "Universität Osnabrück, Abteilung Vechta" entstanden, deren Konzept einer Universität in zwei Städten schon bald an seine Grenzen stieß. Obwohl die Lehramtsbereiche erheblich erweitert und neue Studiengänge eingeführt wurden, machten zunehmende Kompetenzstreitigkeiten, ständige Bevormundungen und häufige Eingriffe des größeren Standortes in die Belange Vechtas eine gedeihliche Zusammenarbeit auf Dauer unmöglich. Zwar wurde die Selbstständigkeit Vechtas gegenüber Osnabrück durch Änderungen des Niedersächsischen Hochschulgesetzes gestärkt, eine gemeinsame Orientierung in der Sache konnte aber nie erreicht werden.

Als die neu gewählte Landesregierung im Herbst 1990 (unter Ministerpräsident Schröder) ihre Absicht bekundete, den Standort Vechta zu schließen, schien mit der letzten Reform auch das Ende der akademischen Ausbildung in Vechta gekommen. Entschiedene Proteste des Universitätsstandortes, der gesamten Südoldenburger Region und nicht zuletzt das Beharren der katholischen Kirche auf ihrem konkordatär garantierten Recht der Lehrerausbildung in Vechta ließen die Schließungspläne jedoch scheitern. Zudem setzte ein Zustrom von Studenten nach Vechta ein, der zu einem erheblichen Anstieg der Studentenzahlen führte.

Nach langen Verhandlungen wurde ein neues Konzept für den Universitätsstandort Vechta entwickelt, das am 21. November 1994 in einer Änderung des Konkordats zwischen der katholischen Kirche und dem Land Niedersachsen besiegelt wurde.

Die Lehrerausbildung wird in Vechta weitergeführt, innovative und leistungsfähige Studiengänge werden zusätzlich neu eingerichtet, und am 1. Januar 1995 entstand in Vechta erstmalig eine selbstständige Universität mit der Bezeichnung "Hochschule Vechta". Diese neue Universität ist auch hochschulrechtlich eine Innovation; so übernimmt etwa der Hochschulrat für einen Zeitraum von fünf Jahren wichtige Funktionen in der Hochschulentwicklungsplanung; danach beschränkt sich seine Funktion im Wesentlichen auf Aufsichtfunktionen. Die Universität in Vechta will die Chance ihrer einzigartigen Organisation nutzen und neue Wege der akademischen Ausbildung anbieten und beschreiten.

Mit der Einrichtung der grundständigen Studiengänge Gerontologie und Umweltwissenschaften und des Zusatzstudiengangs Naturschutz sowie der Weiterführung der vorhandenen Lehramts- und Magisterstudiengänge sind die ersten Schritte in diese Richtung getan.

Franz-Bernhard Stammkötter (1995, redaktionelle Überarbeitung: Wilfried Kürschner)

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