Presseschau März 2001


2001-Mär-01
Hannoversche Allgemeine Zeitung

Hat Uni Vechta Überlebenschance?

Hannover (dö). Um die Zukunft von Niedersachsens kleinster Universität ist es nach Ansicht der CDU-Fraktion im niedersächsischen Landtag schlecht bestellt. »Wenn an der Hochschule Vechta mit ihren rund 2100 Studenten kein zweites Standbein neben der Lehrerausbildung geschaffen wird, kann sie auf Dauer nicht überleben«, befürchtet die wissenschaftspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Heidemarie Mundlos. Auch Heinz-Wolfgang Domröse (SPD) betont, dass die Hochschule keine reine Pädagogenausbildungsstätte sein dürfe. Allerdings sollte die Uni nicht zu viele weitere Fächer anbieten, sondern sich auf einen zweiten Bereich, wie etwa Agrarbusiness und ökologische Landwirtschaft, konzentrieren.

Am Mittwoch hat der Wissenschaftsausschuss mit den Stimmen von SPD und Grünen einen Entschließungsantrag verabschiedet, der im März im Landtag beraten werden soll. Bis Ende des Jahres soll danach die Hochschule ein Zukunftskonzept entwickeln und dies bis 2004 auch umsetzen.



2001-Mär-01
Oldenburger-Münsterland-Kurier

Der Schlager und seine Fans
Empirische Studie des Vechtaer Psychologen Prof. Dr. Martin Schweer

Vechta – Aus der Welt des deutschen Schlagers sind sie nicht wegzudenken: die Fans, die sich bei Konzerten und Fernsehaufzeichnungen vor der Bühne einfinden, um von ihrem Star ein Autogramm zu erhalten oder Blumen zu überreichen. Wie aber ist das Verhältnis zwischen Künstler und Fan, wie sehen sie sich gegenseitig, welche Erwartungshaltungen bestehen? Wie bewertet ein Schlagerstar seine eigene Rolle?

Diese Fragen sind Gegenstand einer empirischen Studie, die der Vechtaer Psychologe Prof. Dr. Martin Schweer (Bild) jetzt gemeinsam mit Jens Niederhagen vorgestellt hat. Die wichtigsten Ergebnisse sollen in Kürze publiziert werden.

Im Zentrum der Untersuchung steht das erlebte Vertrauen zwischen Fan und Star. Hierzu wurden qualitative, halbstandardisierte Interviews mit ausgewählten Vertretern der Schlagerszene durchgeführt. In einem zweiten Schritt folgte eine quantitative Fragebogenerhebung innerhalb der Fanclubs einiger der zuvor befragten Schlagerstars.

Die Untersuchung zeigt, dass Identifikation Vertrauen schaffen kann. So bejaht beinahe die Hälfte der befragten Schlagerfans die Frage »Gibt es Dinge, über die Sie mit Ihrem Star eher sprechen würden als mit ihrer besten Freundin bzw. Ihrem besten Freund?«. Ferner weisen die Anhänger ihren Idolen ähnliche Persönlichkeitsmerkmale zu, wie tatsächlichen guten Freuden. So bindet nicht nur die Musik die Fans an den jeweiligen Schlagersänger, sondern ganz entscheidend auch die diesem zugeschriebene Persönlichkeitsstruktur. Bemerkenswert ist nicht allein die Funktion de Stars als Ansprechpartner für viele ihrer Fans, sondern vor allem die Tatsache, dass es sehr vielen Schlagerhörern offenbar an einer realen Bezugsperson mangelt, sozial weniger gut eingebettete Schlagerfans fühlen sich auffällig oft zu Interpreten hingezogen, die genau jene Werte repräsentieren, welche die Probanden an einer Bezugsperson schätzen; Personen, die in ihrem Umkreis keine Anlaufstelle bei persönlichen Problemen besitzen, werden bei der Wahl »ihres« Stars hiervon weniger beeinflusst.

Auch die Schlagertexte suggerieren eine Identifikationsbasis, ein »Gefühl des Verstandenseins«. Der Schlager spendet Trost, indem er dem Hörer ermöglicht, sich mit dem »einsamen« Star zu identifizieren. Zudem vermitteln viele Schlager Optimismus in schwierigen Lebenssituationen, zeigen scheinbare Auswege und Lösungsmöglichkeiten.

Für eine bestimmte Klientel der Schlager-Rezipienten kann die Welt des Schlagers im Allgemeinen und ihr spezifischer Star im Besonderen eine Kompensationsfunktion für fehlende menschliche Nähe und zwischenmenschliche Kommunikation haben. Zwar ist ein Schlagerstar immer nur ein unzureichender – weil prinzipiell imaginärer – Ersatz für einen vertrauensvollen Gesprächspartner, trotzdem, das hat die Untersuchung gezeigt, besitzen der deutsche Schlager und seine Stars für viele Anhänger eine nicht zu unterschätzende soziale Funktion, die die Bedeutung von Vertrauen für den Starkult in einer so bislang kaum vermuteten Dimension aufzeigt.



2001-Mär-01
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Kompromiss zur Hochschule gescheitert
Keine parteiübergreifende Beschlussempfehlung im Wissenschaftsausschuss des Landtages

Von Ulrich Suffner

Vechta/Hannover – Im Wissenschaftsausschuss des niedersächsischen Landtages ist gestern morgen der Versuch eines parteiübergreifenden Kompromisses zur Zukunft der Hochschule Vechta gescheitert. In der Beratung konnten sich CDU und SPD nicht auf eine gemeinsame Beschlussempfehlung für die im März folgende Landtagssitzung einigen. Der Biester CDU-Landtagsabgeordnete Friedhelm Biestmann (Foto rechts) macht dafür die SPD-Fraktion verantwortlich. »Sie hat unseren mit allen Seiten abgestimmten Kompromissvorschlag platzen lassen«.

Ein Vorwurf, den der wissenschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Wolfgang Domröse (Foto links), zurückweist. Die am Ende von den Grünen mitgetragene Beschlussempfehlung sei »ein klares Signal für die Unterstützung der Hochschule«. Der Landtag werde im März entsprechend beschließen.

Letztlich scheiterte gestern eine gemeinsame Entschließung an der unterschiedlichen Bewertung des Wissenschaftsratsgutachtens von 1999 für die weitere Zukunft der Hochschule. SPD und Grüne empfehlen dem Vechtaer Standort »neben der Aus- und Fortbildung von Grund-, Haupt- und Realschullehrkräften ein homogenes Angebot zu entwickeln, das sich an den auf absehbaren Zeit zur Verfügung stehenden Kapazitäten orientiert«.

Dehnbare Formulierungen, die Biestmann und seine Fraktion nicht mittragen. Es sei bezeichnend, dass die SPD die CDU-Kompromissformulierung, »über die Lehrerausbildung hinaus weitere wissenschaftlich fundierte und nachhaltig tragfähige Schwerpunkte einzurichten«, abgelehnt habe.

Offensichtlich habe das Wissenschaftsministerium in die Beschlussfassung der SPD-Fraktion eingegriffen, um eine Reduzierung der Hochschule auf die Lehrerausbildung zu erreichen. Damit stelle die SPD aber mittelfristig deren Existenz in Frage.

Domröse betont dagegen, dass sich der Standort »auf der Basis des Konkordats wird fortentwickeln können«. Die CDU tue der Hochschule keinen Gefallen, wenn sie dazu ermuntere, bei der Erarbeitung eines neuen Konzeptes die Hinweise des Wissenschaftsratsgutachtens einfach zu ignorieren.

Foto: Uneinig in Sachen Hochschule Vechta: Wolfgang Domröse (SPD/links) und Friedhelm Biestmann (CDU).



2001-Mär-01
rundblick

Kein Kompromiss für Vechta

(rb) Hannover. Im Wissenschaftsausschuss des Landtags ist erneut ein Versuch gescheitert, die Zukunft der Universität Vechta auf einigermaßen sichere Beine zu stellen. Die Hoffnung, mit einem Kompromissvorschlag der CDU-Fraktion, der mit vielen Seiten abgestimmt war, diesem Unistandort eine Überlebenschance jenseits der Lehrerausbildung zu verschaffen, hat sich damit zunächst zerschlagen. Die SPD-Fraktion mochte sich nicht mit der Vorstellung anfreunden, in Vechta zusätzliche Schwerpunkte im Bereich Umweltwissenschaft/Naturschutz/Landwirtschaft zu setzen und hat diese Linie der CDU-Fraktion, die auch von den Grünen mitgetragen wurde, platzen lassen. Erneut musste sich die Regierungsfraktion den Vorwurf gefallen lassen, mit ihrem Beharren auf der Monostruktur Lehrerausbildung diese Konkordatsuniversität auszuhungern und für diesen Standort einen »Tod auf Raten« in Kauf zu nehmen.



2001-Mär-05
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

»Schließungsdebatte ist jetzt vom Tisch«
Rektor Howe begrüßt Beschlussempfehlung des Wissenschaftsausschusses in Hannover

Vechta (su) – »Mit Freude« hat der Rektor der Vechtaer Hochschule, Prof. Dr. Jürgen Howe, die Beschlussempfehlung des Wissenschaftsausschusses im Hannoverschen Landtag zur Zukunftssicherung der Hochschule Vechta zur Kenntnis genommen. Auch wenn die CDU-Fraktion der Vorlage für die anstehende Sitzung des Niedersächsischen Landtags im März noch nicht zustimmen könne, sei das Papier »eine gute Grundlage« für die weitere Entwicklung des Standortes. »Die leidige Schließungsdebatte«, so Howe, »ist nun endlich vom Tisch«.

Mit der erneuten Absicherung der im Konkordatsvertrag mit der Kirche vom Land zugesicherten Ressourcen werde die Hochschule in den nächsten Jahren vernünftige Rahmenbedingungen haben, so der Rektor. Außerdem seien die inhaltlichen Vorgaben für das zukünftige Studienangebot nicht zu eng gefasst. Hochschulleitung, Senat und Hochschulrat seien nun in der Lage, auch die Gerontologie als Studiengang in Vechta zu halten.

Howe erklärte, er sei allen, die derzeit an der Landtagsentschließung mitarbeiteten, sehr dankbar. Insbesondere der CDU-Landtagsabgeordnete Friedhelm Biestmann habe sich dafür »nachhaltig eingesetzt«. Howe hofft, dass die erarbeitete Empfehlung im Landtag doch noch von allen Parteien mitgetragen werde.



2001-Mär-06
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Ein Doktor aus China
Ding Zheng promoviert an Uni Vechta

Vechta – Zum Doktor rer nat. promoviert wurde jetzt der Chinese Ding Zheng am Institut für Umweltwissenschaften (IUW) der Hochschule Vechta. Der Stipendiat am International Institute for Aerospace Survey and Earth Sciences (ITC) im holländischen Enschede entwickelte im Rahmen seiner Dissertation ein System, das als Grundlage für die Bewertungen und Entwicklungsplanungen für Regionen, Räume oder Landschaften dienen kann.

»Raumbezogene Entscheidungen werden oft auf der Basis ›unscharfer‹ Daten getroffen«, so Prof. Dr.-Ing. Manfred Ehlers von der Hochschule Vechta, der die Arbeit betreut hat. Darunter verstehe man Kategorien wie sehr gut, durchschnittlich oder schlecht. Die Übersetzung derartiger unscharfer Begriffe in den Rechner sei noch sehr schwierig. Das von Dr. Zheng entwickelte System übersetzt unscharfe Daten in eine rechnergerechte Darstellung und integriert diese mit einem lernenden System, das aus Forschungen zur künstlichen Intelligenz hervorgegangen ist. Die vorgelegte Arbeit von Dr. Zheng wurde übereinstimmend mit »Sehr gut« bewertet.



2001-Mär-09
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Niedersachsens älteste Ortsnamen in neuem Licht
Vortrag des Leipziger Professor Dr. Jürgen Udolph in der Vechtaer Hochschule

Vechta – Ortsnamen sind wichtige Zeugen einer fernen Vergangenheit. Die Aufarbeitung der Ortsnamen Niedersachsens hat in letzter Zeit neue Gesichtspunkte entdeckt, über die am Montag (12. März) um 11 Uhr im Raum N 02 der Hochschule Vechta berichtet wird.

Der Autor ist seit Oktober Professor für Namensforschung an der Universität Leipzig. Nur an dieser Universität gibt es einen Studiengang »Namensforschung (Onomastik)« und es ist die einzige Professur für dieses Fach in Deutschland.

Der Vortrag wird die Ortsnamen Niedersachsens unter dem Blickwinkel ihrer historischen Schichtung zum Thema haben. Ortsnamen und Flussnamen sind sehr zäh. Sie verändern sich zwar sprachlich, indem sie die Lautentwicklungen der Sprachen und Dialekte mitmachen, aber sie bleiben konstant am Ort und – was sie besonders wertvoll für den Sprachwissenschaftler macht – sie überstehen selbst Völkerwechsel.

Neben jungen und jüngeren Typen gibt es ältere Namen, die nur aus sprachwissenschaftlicher Sicht unter Einbeziehung germanischer und indogermanischer Laut- und Formenregeln enträtselt werden können. Die seit etwa zehn Jahren laufenden Untersuchungen lassen Fragen nach der Herkunft der Germanen oder der Expansion der Sachsen in einem neuen Licht erscheinen.



2001-Mär-11
Sonntagsblatt

Professor Udolph bringt Schneise des Lichts in Namensspekulation
Inhaber des einzigen Lehrstuhls für Namensforschung zu Gast im Landkreis

Prof. Dr. Udolph stellt Ortsnamen aus Südoldenburg vor.

Von Jan Röttgers

Lohne/Vechta. Mit einem hochkarätigen Gastredner, nämlich Professor Dr. Jürgen Udolph, dem Inhaber des einzigen Lehrstuhls für Namensforschung in Deutschland, schließt der Lohner Heimatverein am kommenden Montag, 12. März, im Industrie Museum sein Winter-Vortragsprogramm.

Professor Udolph ist in Berlin geboren, wohnt in Rosdorf und lehrt an der Universität Leipzig.

Der Sprachwissenschaftler ist mit aufsehenerregenden Veröffentlichungen seiner Namensforschung bekannt geworden.

So seien geographische Namen wichtige zeugen der Sprach- und Besiedlungsgeschichte. Ortsnamen überdauern häufig Völkerwechsel von einer Sprache in die andere und sind als »Friedhof der Wörter« gewichtige Quellen, die auch Auskunft über das ursprüngliche Aussehen des Landes, über die jeweils gesprochenen Sprachen und Dialekte, über den Wechsel der Bevölkerung und über Fauna und Flora des entsprechenden Landstriches geben.

So ergeben sich fruchtbare Forschungskontroversen vor allem mit den Archäologen zum Beispiel zur Fragestellung »Kamen die Germanen aus dem Norden?«, »Wo siedelten die Sachsen?«, »Welche germanischen Stämme zogen nach England?«.

Vor allem Fluss- und Gewässernamen eignen sich hervorragend als Träger von sprachgeschichtlichen Botschaften für eine wissenschaftliche Auswertung, wie Professor Udolph es in einem annähernd 600 Seiten umfassenden Werk über »Die Ortsnamen des Landkreises Hannover« aus dem Jahre 1998 belegt. Der Heimatverein Lohne hat nun Professor Udolph gebeten, das Forschungsinteresse auf die Region Südoldenburg zu lenken.

In einer Vorabinformation unterscheidet Professor Udolph jüngere Namensbildungen auf »husen/hausen«, »dorp/dorf«, »-hem/-um«, während in »-hude« und »ing-Bildungen« und in Namen aus einem einzigen Wort eine ältere Entstehung abgeleitet werden könnten, wie zum Beispiel zu den Ortsnamen Lahr oder Lohne. Untersuchungen zu den Namen Vechta, Dinklage, Emstek, Lutten, Calveslage, Halter und auch Diepholz lassen nach Aussagen von Professor Udolph Besiedlungsfragen in einem neuen Licht erscheinen.

Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr im Industrie Museum Lohne am Bahnhof. Der Eintritt ist frei.

Bereits am morgigen Montagvormittag, 12. März, hält Professor Udolph seinen Vortrag in der Vechtaer Hochschule. Die Veranstaltung beginnt um 11 Uhr im Raum N 02. Eingeladen haben Udolph das Institut für Geschichte und Historische Landesforschung sowie der Lehrstuhl für Allgemeine Sprachwissenschaft und Germanistische Linguistik.

Diese Veranstaltung kann auch einen Hinweis darauf geben, ob es nicht zwingend erforderlich ist, anhand von Urkundenbüchern und weiteren Quellen eine fundierte Forschungsarbeit über die Ortsnamen der Region zu vergeben, damit auf der Grundlage einer umfassenden, wissenschaftlichen Untersuchung eine Schneise des Lichts in viele spekulative und manchmal auch abenteuerliche Namensableitungen geschlagen werden kann. Dies könnte darüber hinaus den vielen Ortschroniken und regionalen Veröffentlichungen neue Grundlagen verschaffen.



2001-Mär-15
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Mit dem Lesepass und einem Dino zum Lesespaß
OV, LzO, die Hochschule Vechta und Promedia starten ein Projekt für Grundschüler / Anmeldungen bis Ende März

Von Anke Hibbeler

Vechta – Ein Dino kommt nach Vechta. Genau genommen ein Lesedino, denn er ist die Symbolfigur der ersten Aktion »Lesepass«, die im Mai in möglichst vielen Grundschulen des Kreises Vechta starten soll. Initiiert wurde das Programm, das sich an Schüler der dritten und vierten Klasse sowie deren Lehrer richtet, von der OV in Kooperation mit der Agentur Promedia, der LzO und der Hochschule Vechta.

Gestern nun präsentierten OV-Geschäftsführer Jörg-Peter Knochen und Dirk Giela, Promedia, das Konzept. Und schon nach der ersten Informationsveranstaltung strahlten die Beiden. Zu Recht, denn mehr als 25 Vertreter der verschiedenen Grundschulen des Kreises hatten sich zu einem Vorgespräch im Saal Sextro, Oythe, eingefunden. Der Lesepass, das ist ein kleines Heftchen, in dem die Kinder mit insgesamt 16 verschiedenen Aufgaben angeregt werden sollen, sich mit dem Lesen in unterschiedlichsten Facetten auseinanderzusetzen.

Eine genaue Analyse der OV anhand von einfachen Leitfragen wie »Was ist für mich die wichtigste Nachricht?« oder »Was steht in den Kleinanzeigen?« soll zum Beispiel die Zeitung erfahrbar machen.

Daher bekommt jeder Schüler eine Woche – bei Bedarf auch länger – jeden Tag eine eigene Zeitung. Zum Schmökern und Basteln. Und auch Gespräche mit Redakteuren sind möglich. Ergänzend werden anhand von kindgerechten Fragen Bibliotheken und die Schreibwerkstatt der Vechtaer Hochschule erforscht oder Bücher besprochen. Mit dem Lesepass zum Lesespaß also. Und immer dabei ist der im Heft abgedruckte Lesedino, der die Fragen stellt. Zum Abschluss der Projektphase, die mit ergänzenden Materialien von Promedia je nach Geschmack der Lehrer gestaltet und ausgedehnt werden kann, bekommen die Kinder ein Lesediplom.

Ein Weg zu wichtigen Schlüsselqualifikationen, wie Hermann Gaschemann, Leiter der LzO Vechta und Sponsor der Aktion, erklärte. Einer Aussage, bei der alle Initiatoren zustimmend nickten. Und auch die Lehrer waren von dem Konzept zur Förderung des Lesespaßes überzeugt.

Die Anmeldefrist für die Aktion »Lesepass« läuft noch bis zum 30. März. Weitere Infos gibt es bei der OV oder bei Promedia, Telefon 02404/940716.

Foto: Sie schicken den Dino in die Schulen: OV-Chefredakteur Cornelius Riewerts, Dirk Giela (Promedia), Prof. Dr. Gudrun Schulz (Hochschule Vechta), Hermann Gaschemann (LzO) und OV-Geschäftsführer Jörg-Peter Knochen (von links) stellten ihre neue Aktion für Grundschulen vor.



2001-Mär-18
OV am Sonntag

Professor Udolph: Die Deutung Lohnes als »stilles Wasser«

Lohne (ak) – Lohnes Heimatvereinsvorsitzender Benno Dräger landete jetzt mit seiner Einladung zu einem Vortrag über Ortsnamenkunde einen Volltreffer. Der Leipziger Professor Dr. Jürgen Udolph brachte mit seinen Theorien über den Ursprung unserer Dorf- und Städtenamen frischen Wind in eine schon uralte Diskussion, die für viele Namen bis heute aber noch keine endgültige und befriedigende Lösung erbracht hat.

Udolphs Vortrag soll, so der Wunsch Drägers und vieler weiter Heimatfreunde, der Einstieg sein in eine grundlegende Erforschung der Ortsnamen des Oldenburger Münsterlandes. Der Auftrag könnte an das von Udolph geleitete Forschungsinstitut gehen, das bereits ähnliche Arbeiten für den Raum Hannover oder im Bereich Osterode/Harz geleistet hat.

Welche Möglichkeiten sich im Rahmen dieser Forschungen ergeben könnten, zeigte Udolph an einer Fülle von Beispielen auf; immer mit dem Hinweis darauf, dass endgültige Ergebnisse erst mit dem Blick auf die genaue Quellenlage vorgelegt werden könnten.

Für »Lohne« fand er zum Beispiel Ableitungen aus alten nordischen Worten und Bedeutungen haben wie »langsam fließendes Wasser«, »Wasserpfütze« oder »stilles Wasser«: »Das sind allerdings nur erste mögliche Hinweise.«

Die besonders schwierige Herleitung des Namens »Vechta« versuchte Udolph über frühe Lautverschiebungen in der Sprache zu erklären. In dem Wort könnte »viucht« für »feucht« stecken: »Das ist aber nur eine erste Idee dazu.« Auf jeden Fall sei es so, dass die Ortsnamen sich als »ganz wichtige Zeugnisse der Geschichte« entpuppten: »Darin steckt die alte Lage der Ortschaften und diese Namen überstehen sogar Bevölkerungswechsel und werden von den neuen Bewohnern übernommen.«



2001-Mär-22
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Studenten in Vechta lernen besonders schnell

Vechta – Eine überdurchschnittlich kurze Studiendauer bescheinigt der Wissenschaftsrat dem Studiengang Erziehungswissenschaft der Hochschule Vechta. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung, die der »Der Spiegel« in seiner aktuellen Ausgabe (12/2001) veröffentlicht.

Durchschnittlich nur 10,8 Semester benötigen die Vechtaer Erziehungswissenschaftler mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik/Sozialarbeit bis zu ihrem Diplom. Spitzenreiter war die Pädagogische Hochschule Erfurt mit 9 Semestern, den letzten Platz belegte die Universität Bielefeld mit 13,2 Semestern. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 11,4 Semestern.

»Das gute Abschneiden verdeutlicht den hohen Leistungstand der Hochschule Vechta«, so Rektor Prof. Dr. Jürgen Howe. »Die Ergebnisse der Untersuchung haben gezeigt, dass die intensivere Betreuung und die bessere Planbarkeit des Studiums an einer kleineren Hochschule schneller zum Erfolge führen.«

Leserbrief dazu



2001-Mär-25
Sonntagsblatt

Begeisterte Schulstunden mit dem Namensprofessor
Prof. Dr. Udolph sprach über Namensforschung

Referent entführte zu historischen Quellen der Ortsnamen.

Lohne. Mehr als 100 Zuhörer waren begeistert vom Vortrag des Leipziger Namensforschers Prof. Dr. Jürgen Udolph.

Der Heimatverein Lohne hatte den ausgewiesenen Experten und einzigen Lehrstuhlinhaber für Namensforschung in Deutschland zur Thematik »Ortsnamen des Oldenburger Münsterlandes als Geschichtsquellen« ins Industrie-Museum Lohne eingeladen.

An exaktem Kartenmaterial zur Namensverbreitung entwickelte er aus dem »Friedhof der Wörter«, nämlich alten Ortsnamen, Hypothesen zur Siedlungsgeschichte. Wie interessant eine eigentlich »trockene Materie«, wie Sprachabteilungen sein kann, erfuhren die Zuhörer, die immer wieder mit Belegen zu Regionalnamen einbezogen wurden und aufmerksam anhand des verteilten Skripts und der Overheadprojektionen dem Variantenreichtum der Abteilung und den Gesetzmäßigkeiten der Lautentwicklung folgten. Fast zwei Stunden Einsicht in die Forschungsmethoden und Forschungskontroversen vergingen wie im Flug. Fazit der Zuhörerschaft war, dass die Ortsnamen des Oldenburger Münsterlandes einer fundierten Aufarbeitung bedürfen und dafür von den Heimatvereinen, den Gemeinden, Städten und den Landkreisen eine Forschungsarbeit in Auftrag gegeben werden möge, die Licht in einige spekulative und auch abenteuerliche Namensdeutungen bringen könnte. Diese grundlegende Arbeit könne einen Beitrag zur weiteren Identitätsstiftung der Region leisten. Der Redner berief sich in seinem Anliegen nach sprachgeschichtlichen Untersuchungen auf ein Zitat des Sprachwissenschaftlers Jakob Grimm: »Es gibt ein lebendigeres Zeugnis der Geschichte als Knochen, Waffen und Gräber.«



2001-Mär-25
Sonntagsblatt

Studie über Stars und Sternchen
Prof. Dr. Martin Schweer und Jens Niederhagen untersuchen Schlagerkult

Forschung nimmt Fans und Schlager unter die Lupe.

Vechta. Aus der Welt des deutschen Schlagers sind sie nicht wegzudenken: die Fans, die sich bei Konzerten und Fernsehaufzeichnungen vor der Bühne einfinden, um von »ihrem« Star ein Autogramm zu erhalten oder Blumen zu überreichen. Wie aber ist das Verhältnis zwischen Künstler und Fan, wie sehen sie sich gegenseitig, welche Erwartungshaltungen bestehen? Wie bewertet ein Schlagerstar seine eigene Rolle? Diese Fragen sind Gegenstand einer empirischen Studie, die der Vechtaer Psychologe Prof. Dr. Martin Schweer jetzt gemeinsam mit Jens Niederhagen vorgestellt hat. Die wichtigsten Ergebnisse sollen in Kürze publiziert werden.

Im Zentrum der Untersuchung steht das erlebte Vertrauen zwischen Fan und Star. Hierzu wurden qualitative, halb-standardisierte Interviews mit ausgewählten Vertretern der Schlagerszene durchgeführt. In einem zweiten Schritt folgte eine quantitative Fragebogenerhebung innerhalb der Fanclubs einiger der zuvor befragten Schlagerstars. Die Untersuchung zeigt, dass Identifikation Vertrauen schaffen kann. So bejaht beinahe die Hälfte der befragten Schlagerfans die Frage »Gibt es Dinge, über die Sie mit ihrem Star eher sprechen würden als mit ihrer besten Freundin beziehungsweise ihrem besten Freund?«. Ferner weisen die Anhänger ihrer Idolen ähnliche Persönlichkeitsmerkmale zu wie tatsächlichen guten Freunden. So bindet nicht nur die Musik die Fans an den jeweiligen Schlagersänger, sondern ganz entscheidend auch die diesem zugeschriebene Persönlichkeitsstruktur. Bemerkenswert ist nicht allein die Funktion der Stars als Ansprechpartner für viele ihrer Fans, sondern vor allem die Tatsache, dass es sehr vielen Schlagerhörern offenbar an einer realen Bezugsperson mangelt. Sozial weniger gut eingebettete Schlagerfans fühlen sich auffällig oft zu Interpreten hingezogen, die genau jene Werte repräsentieren, welche die Probanden an einer Bezugsperson schätzen; Personen, die in ihrem Umkreis eine Anlaufstelle bei persönlichen Problemen besitzen, werden bei der Wahl »ihres« Stars hiervon weniger beeinflusst. Auch die Schlagertexte suggerieren eine Identifikationsbasis, ein »Gefühl des Verstandenseins«. Der Schlager spendet Trost, indem er dem Hörer ermöglicht, sich mit dem »einsamen« Star zu identifizieren. Zudem vermitteln viele Schlager Optimismus in schwierigen Lebenssituationen, zeigen scheinbare Auswege und Lösungsmöglichkeiten. Für eine bestimmte Klientel der Schlager-Rezipienten kann die Welt des Schlagers eine Kompensationsfunktion für fehlende menschliche Nähe und zwischenmenschliche Kommunikation haben.



2001-Mär-28
Rundschau

Ziel ist, Standort zu erhalten
Sebastian Schmutte neuer Studentenpräsident

Sebastian Schmutte will die Lehrämter wieder mehr stärken.

Von Jan Röttgers

Vechta. Er ist 24 Jahre jung, gebürtiger Dammer, studiert seit 1998 in Vechta Lehramt mit dem Schwerpunkt Grundschule und engagiert sich seit 1999 für die Hochschulpolitik. Die Rede ist von Sebastian Schmutte. Seit Februar ist er neuer Studentenpräsident der Hochschule Vechta.

Frage: Was wollen Sie als Studentenpräsident bewegen, wie lauten Ihre Ziele?
Schmutte: Natürlich möchte ich den Hochschulstandort Vechta vor der Schließung bewahren. Die rund 2.000 Studentinnen und Studenten, die in und um Vechta leben und wohnen, sind ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor für die Region. Die kleine, ja nahezu familiäre Uni Vechta halte ich für schützenswert. Deshalb setze ich mich dafür ein, die Lehrämter zu stärken und fordere, offene Stellen wiederzubesetzen. Teilweise liegen seit zwei Jahren Professuren brach.
Frage: Wie wird Ihre Zusammenarbeit mit dem Rektor und den Gremien der Hochschule aussehen?
Schmutte: Ich hoffe auf gute Gespräche und setze auf ein Mit- statt Gegeneinander, um sachlich Probleme lösen zu können. Außerdem möchte ich eine gute Schnittstelle zwischen Studentenschaft und Professoren bieten. Gemeinsam mit dem Studentenparlament möchte ich Ideen entwickeln, um die Hochschule voranzubringen. Die studentischen Mitglieder in den einzelnen Gremien können mit guten Vorgaben rechnen.
Frage: Was wünschen Sie sich für Studenten und von Studenten?
Schmutte: Obwohl 85 Prozent der Studentenschaft weiblich sind, ist die Beteiligung an ehrenamtlicher Hochschularbeit gering. Mein Wunsch ist es, dass sich mehr Frauen beteiligen. Außerdem wird generell viel beklagt, aber nur 25 Prozent der Studenten nehmen sich die fünf Minuten Zeit, um ihre Kreuze bei Wahlen zu machen. Hier rufe ich zu mehr Mitarbeit auf. Ferner trete ich dafür ein, insgesamt mehr Vorlesungen anzubieten, um überhaupt innerhalb der Regelstudienzeit studieren zu können.
Frage: Wie schätzen Sie die Zukunft des Hochschulstandortes Vechta ein?
Schmutte: Die Hochschule wird – im Härtefall – zwar nicht geschlossen, sondern wohl eher Osnabrück oder Oldenburg angegliedert. Ziel muss es aber sein, zurück zur Universität in Vechta zu kommen – nicht nur, weil es auf dem Examen oder Diplom ganz anders aussieht. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, für den es sich einzustehen lohnt.