Presseschau Mai 2001


2001-Mai-01/02
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Wenn der Grislibär den Tunfisch frisst
Kürschners Buch zur neuen Rechtschreibung

Vechta (ak) – Wilfried Kürschner ist der Fachmann, wenn es um die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung geht. Der Vechtaer Professor für [Allgemeine] Sprachwissenschaft und Germanistische Linguistik hat das bereits bewiesen, als er 1996 gemeinsam mit der OV einen ersten Leitfaden für die Rechtschreibreform herausbrachte. Mittlerweile sind die Angaben dazu verfeinert und in ein Korsett gefügt, mit dem Kürschner Vorschläge machen kann, welche Worte wir bei mehreren möglichen Varianten wählen sollten.

Grislibär und Tunfisch sind nämlich auch weiterhin als Grizzlybär und Thunfisch erlaubt. Doch Kürschners »Vechtaer Regulativ« ermuntert uns, die neuen Formen zu wählen, um damit in der deutschen Sprache wieder eine einheitliche Schreibeweise zu erreichen.

Nachzulesen ist dies in einer nagelneuen »Systematischen Übersicht über die Neuerungen der Orthografiereform«, die im Vechtaer Plaggenborg Verlag erschienen ist (Neue Rechtschreibung kompakt, 121 Seiten, 12 Mark).

Das handliche Buch mit festem Einband ist die komprimierte Fassung der Kürschnerschen Rechtschreibungs-Veröffentlichungen. Diese sehr übersichtlich gestaltete Sammlung ist um einen hilfreichen Wortindex ergänzt worden, in dem sich schnell nachschlagen lässt, ob und wie ein Wort nun in der neuen Rechtschreibung auch neu daherkommt.



2001-Mai-09
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Neue Rechtschreibung

Professor Dr. Wilfried Kürschner stellt am Donnerstag (10. Mai) um 19 Uhr im Konferenzzimmer der Hochschule Vechta (Driverstraße) sein im Vechtaer Plaggenborg-Verlag erschienenes Buch »Neue Rechtschreibung kompakt« der Öffentlichkeit vor. Interessenten sind zu der Buchvorstellung herzlich eingeladen.



2001-Mai-12
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Drei Thesen zur Videoüberwachung
Videotechnik kann notwendige Polizeipräsenz nur flankieren

Von Peter Nitschke

Vechta – Auf dem kommunalpolitischen Forum, das am 2. Mai im Vechtaer Rathaus in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Institut für Sozialwissenschaften veranstaltet worden ist (OV berichtete), wurde vor allem auch der sozialpolitische Kontext deutlich, in dem das Thema der Videoüberwachungsanlagen seine umstrittene Geltung erfährt. Dazu aus der Sicht einer politikwissenschaftlichen Analyse drei Thesen:
- Das »verlängerte Auge der Polizei«, als das Konzepte der Videoüberwachung gern stilisiert werden, ist nur dann tauglich, wenn die Polizei auch sofort zum Einsatz geführt wird, wo videoüberwacht wird. Lediglich aufzuzeichnen, um Straftaten im Nachhinein sauber dokumentieren zu können, hat mir Prävention nichts zu tun. Insofern ist es auch berechtigt, aß die Forderung erhoben wurde, weniger auf die Technik als vielmehr auf einen verstärkten Einsatz der Polizei in Form von Straßenpräsenz zu setzen.

Da, wo gesellschaftliche Defizite zu einer instabilen Sicherheitslage beitragen, kann die Videotechnik nur ein flankierender Bestandteil eines umfassenderen Sicherheitskonzeptes sein. Aber auch die Polizei allein wird hier zu wenig sein. Es bedarf einer soliden gesellschaftspolitischen Option, an der sich möglichst viele Bürger durch ihr Alltagsverhalten beteiligen.

- Das Legalitätsprinzip bleibt bei der Videoüberwachung das Maß der Dinge. Es muss deutlich geklärt sein, wer zu welchem Zweck Videoüberwachung vornimmt. Vor allem muss klar sein, wer die Daten kontrolliert und nach welchen Laufzeiten sie gelöscht werden. Keinesfalls darf es zu solchen Verhältnissen kommen, dass Videodaten zu kommerziellen Belustigungszwecken in den Medienmarkt geleitet werden.

- Auffallend ist die hohe Zustimmungsquote zum Thema Videoüberwachung, die sich nach Umfragen quer durch alle Parteien bei der Bevölkerung insgesamt abzeichnet. Das lässt auf enorme Defizite in der Beurteilung des Sicherheitsgefühls im öffentlichen Raum schließen. Insofern wird man an einer grundsätzlich geführten Debatte über bürgerliches Sicherheitsverhalten, auch hinsichtlich der Bereitschaft, konkrete Verantwortung zu übernehmen, nicht herum kommen.



2001-Mai-12
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Erfolgreich promoviert

Dr. Edith Haugk (Mitte in Begleitung) hat am Institut für Sozialwissenschaften der Hochschule Vechta mit der Note »cum laude« promoviert. Die Göttingerin hatte eine empirische Untersuchung über »Caritative Verbände als politische Organisationsformen der Zivilgesellschaft« vorgelegt. Betreuer war Prof. Dr. Peter Nitschke (links). Es gratulierte auch die Promotionskommission, die Professoren Hermann von Laer (2. von rechts), Franz Bölsker-Schlicht (2. von links) und Heinz Wieland.

Foto: Kokenge



2001-Mai-12
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Das OV-Gästebuch
Professor Dr. Peter Nitschke lehrt Politikwissenschaft an der Hochschule Vechta. Er ist ständiger Kolumnist unserer Zeitung.

Gerhard Schröders Europa

Man nehme einen Tisch und decke ihn so, wie man das für richtig hält: Welche Speisen darauf kommen, wer so sitzen darf, dass bestimme man alles selbst. Ein Problem wird daraus nur, wenn die Teilnehmer des Essens ebenso verfahren wollen. Dann macht jeder den Tisch nach seinen Vorstellungen a la carte und die Karten sehen dann wohl durchaus verschieden aus. Erst recht, wenn noch gar nicht klar ist, wie groß der Tisch überhaupt ist oder sein darf – geschweige denn welche Form er hat?

Nun hat der Bundeskanzler, dem man bisher wenig Enthusiasmus in der Europapolitik nachsagen konnte, sich also seinen Reim auf Europa gemacht und den Tisch gedeckt. Herausgekommen sind Grundsatzvorstellungen, die ihm in Deutschland quer durch die Parteienlandschaft weitestgehend Zustimmung signalisiert haben. Das kann nicht verwundern, ist Deutschland doch ein föderales System und der Kanzler kam schließlich auch einmal aus der Provinz. Da macht es sich immer gut von Förderation zu reden und die abgestuften Sonderinteressen zu betonen. Ob das im Ausland auch so gesehen wird, da darf man mit Ausnahme von Belgien und Österreich so seine Zweifel haben. Schließlich sind nur drei Mitglieder der EU föderal organisiert. Und so ist es kein Wunder, dass der französische Europaminister, der als erster auf der Tischlein-Deckdich-Offerte geantwortet hat, die Föderation der Nationalstaaten meint, wenn er von Europa redet. Andere haben Ähnliches signalisiert. Was also kann man da von deutscher Seite erreichen?

Den Ministerrat will Schröder gestärkt wissen, indem sie in eine Staatenkammer umgewandelt würde. Neben der bereits bestehenden ersten »Kammer«, dem Europäischen Parlament, wäre dies dann die zweite Kammer – zweifellos so etwas wie der Bundesrat in Deutschland. Doch wer ist dann die Regierung, wenn man Kammern hat?

Nach Lage der Dinge könnte das nur die Kommission sein. Aber das wird Schröder weiß Gott nicht wollen. Ein Herr Prodi, der sagt, wo es lang geht? – Basta für Deutschland, basta für Italien und all die anderen? – Das kann es nicht sein, was Schröder meint. Tatsächlich will er keine Stärkung der Kommission als einer europäischen Exekutive, ihr sollen sogar Mittel der Steuerungspolitik wieder entzogen werden. Deshalb zurück mit der Struktur- und Agrarförderung in die nationale Kompetenz. Hier zeigt sich der Europäer Schröder als Nationalist. Denn Deutschland gibt gerade in diesen beiden Politikfeldern mehr nach Brüssel ab als man wiederbekommt. Warum also den Spaniern und all den anderen Bedürftigen hier etwas geben, was diese selbst nicht erwirtschaften?

Wer so redet, hat eigentlich mit Integration nichts im Sinn. Und integriert noch nicht einmal in der eigenen nationalen Politik. Denn das, was aus Brüssel zurück kommt, fließt bei den Regionalhilfen oft gerade in die Defizite an Steuerungspolitik, wo weder Hannover noch Berlin je richtig strukturiert haben. Der Reiz der Brüsseler Fördertöpfe besteht gerade darin, dass sie als Appetithappen für eine Politikgestaltung bereitstehen, die ohne sie hier gar keinen Anreiz hätte, etwas zu tun. Das haben logischerweise Mitglieder wie Griechenland, Spanien und Italien, die hiervon maßgeblich profitieren, sehr wohl verstanden und sind deshalb auch strikt gegen eine Rückverlagerung der Kompetenzen.

Da zeigt sich das Dilemma von Schröder Europaplan: Er kann nicht auf der einen Seite das Zentrum in Brüssel schwächen und die Nationalstaaten im Ministerrat stark machen, wenn die Nationalstaaten unterschiedliche Zielsetzungen bei der Integration verfolgen. Jeder will das Beste für sich und keiner will verlieren. So lange a la carte gedeckt wird, bleibt es bei rhetorischen Luftübungen. Doch leider fehlt die Zeit für so ein Immerwährendes-Spiel: Die Osterweiterung kommt und wenn dann der Tisch nicht gemeinsam gedeckt ist, dann wird es schwierig, überhaupt noch den gleichen Tisch zu sehen.



2001-Mai-12
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Herausragende Diplom-Arbeiten ausgezeichnet
Bürgermeister Kühling überreichte diesjährigen Gerontologiepreis der Stadt Vechta

Vechta – Den Gerontologiepreis der Stadt Vechta hat Bürgermeister Bernhard Kühling im Rahmen einer Feierstunde an drei Absolventen der gerontologischen Studiengänge an der Hochschule Vechta überreicht. Kühling betonte die sozialpolitische Bedeutung der alternsbezogenen Studiengänge. Das bundesweit einmalige Ausbildungsangebot stoße überregional auf großes Interesse. Die diesjährigen Preisträger sind Cornelia Schimikowski und Hubertus Houben aus Meckenheim sowie Gesa Schmalge aus Stemwede.

Cornelia Schimikowski und Hubertus Houben wurden für ihre Gemeinschaftsarbeit zu »strukturellen Veränderungen und neuen gerontopsychiatrischen Konzepten in der Altenhilfe« ausgezeichnet. Die Verfasser hinterfragen die herrschenden Integrationskonzepte für demenzkranke Altenheimbewohner, die die Gefahr bergen, nicht dementiell Erkrankte zu benachteiligen, ohne den Demenzkranken zureichend helfen zu können. Ohne ideologische Scheuklappen wird für die Einrichtung einer Spezialabteilung für eine zeitgemäße Dementenversorgung plädiert. Daneben wird auch die Architektur einer Spezialabteilung zur Dementenbetreuung, differenziert geplant.

Gesa Schmalge hat sich in ihrer Diplomarbeit mit den Möglichkeiten und Grenzen von Leiharbeit im stationären Pflegebereich beschäftigt. Angesichts des zunehmenden Wettbewerbs im Pflegesektor stand dabei die Frage im Mittelpunkt, inwieweit Leiharbeit als Instrument der Flexibilisierung im Personalmanagement in Betracht kommt, ohne dabei die Qualität der Dienstleistungen zu gefährden. Die Verfasserin hat dabei die Probleme aus betriebswirtschaftlicher, pflegewissenschaftlicher und rechtlicher Sicht analysiert.

Im Rahmen der Feierstunde erhielten neben den berufsbegleitend Studierenden erstmals auch Studierende des Diplomstudiengangs Gerontologie ihre Abschlusszeugnisse.

Foto: Diplomanden ausgezeichnet: (von links) Dr. Anne Honer, Rektor Prof. Dr. Jürgen Howe, Gesa Schmalge, Bürgermeister Bernd Kühling, Prof. Dr. Herbert Geuß, Cornelia Schimikowski, Hubertus Houben, Prof. Dr. Roland Girtler.



2001-Mai-12
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Kürschner legt neues Buch vor

Seine »Systematische Übersicht über Neuerungen der Orthografiereform« hat am Donnerstagabend der Vechtaer Professor für Sprachwissenschaft und Germanistische Linguistik, Dr. Wilfried Kürschner (links), vorgelegt. Kürschner hat darin seine Rechtschreibungsveröffentlichungen zusammengefasst und um einen hilfreichen Wortindex ergänzt. Verleger der 121 Seiten starken »Neuen Rechtschreibung kompakt« zum Preis von 12 Mark ist der Vechtaer Heinz-Bernd Plaggenborg.

Foto: Hibbeler



2001-Mai-12
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Menschen als Menschen sehen
Germanistin Dr. Lucia Licher sprach zu Achtung und Verachtung

Vechta – Im Rahmen der Ringvorlesung »Gewalt und Extremismus in der Gesellschaft« an der Hochschule Vechta sprach Dr. Lucia Licher über »Achtung und Verachtung«. Die Referentin, die vor einem Jahr an die Hochschule gekommen ist, studierte an der Uni Trier. Seit 1985 wirkte sie dort sowie an den Unis Oldenburg und Osnabrück in der germanistischen Forschung und Lehre.

In ihrer Vorlesung verfolgte sie die Frage: Was bedeutet Achtung bzw. Verachtung in Alltag und Kultur dieses Landes? Zu den Selbstverständlichkeiten der deutschen Gesellschaft – so Licher – gehöre zwar das Selbstbild, die Achtung der Menschenwürde zu verwirklichen. Demgegenüber sei jedoch der gesellschaftliche Alltag – die Normalität – geprägt von Verachtung bzw. Grausamkeit gegenüber Menschen. Diese »kleine Gewalt« sei zu bedenken, wolle man zum Beispiel rechtsextremer Gewalt nachhaltig Einhalt gebieten.

Zunächst verdeutlichte Licher die »banalen« Erscheinungsformen der Demütigung von Menschen durch gesellschaftliche Institutionen am Beispiel der Lage von Arbeitslosen und Flüchtlingen. Dem Anspruch der Humanität werde nur eine Lebenshaltung gerecht, die jedem anderem Menschen – und zwar unabhängig von seinen Leistungen oder seinem gesellschaftlichen Status – gleiche Achtung erweist.

Im zweiten Teil des Vortrags entwickelte die Referentin ihre Fragestellung in kulturhistorischer Perspektive. In vielen Facetten hat die Literatur der Moderne die Demütigung von Menschen reflektiert und kritisiert. Sie stellte dabei besonders die Dichterin Marieluise Fleißer heraus. Als Zeitgenossin der Weimarer Republik beobachte diese subtil, wie die »menschenblinden« Umgangsformen des ökonomischen Alltags in der Wirtschaftskrise zunehmend zur allgemeinen Ausbreitung inhumaner Haltungen führen.

Dass eine allgemeine Umstellung der Alltagshaltungen auf »Menschenblindheit« auch in der Gegenwart zu beobachten ist, wies die Wissenschaftlerin abschließend am Beispiel des Populärfernsehens auf. Gerade Talk-Shows am Nachmittag seien als »Trainingsprogramme zum Erlernen von Strategien der Demütigung Schwächerer und dem Erwerber einer Haltung ›heiterer‹ Mitleidlosigkeit« zu beurteilen. Insofern sei es dringend, die humanen Werte der Kultur zu erinnern, was nicht zuletzt den Bildungsinstitutionen – Schule und Hochschule – aufgegeben sei.



2001-Mai-15
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Helmut Ottenjann wird heute 70 Jahre alt
Glückwünsche an Cloppenburger Professor

Oldenburger Münsterland (ak) – Unsere Glückwünsche gelten heute einem besonderen Geburtstags-»Kind«: Professor Dr. Helmut Ottenjann aus Cloppenburg wird 70 Jahre. Der frühere Direktor des Cloppenburger Museumsdorfes und Motor der Heimatbewegung im Oldenburger Münsterland ist an einem Ehrentag auf Reisen – aktiv und agil wie eh und je.

Helmut Ottenjann hatte nach dem Tod seines Vaters Heinrich 1961 die Leitung des Museumsdorfes übernommen und es bis zu seiner Pensionierung 1996 zu einer deutschland- und europaweit anerkannten Ausstellungs-, Bildungs- und Forschungsstätte entwickelt. Im »Unruhestand« blieb der Volkskundler weiter tätig, als Dozent an der Hochschule Vechta, als treibende Kraft der Stiftung Kulturschatz Bauernhof oder als Ideengeber und Organisator im Heimatbund.

Zu seinen Zukunftsplänen gehören neben dem intensiveren Familienleben weitere Forschungsarbeiten und Buchprojekte. Wir wünschen dazu Kraft, Gesundheit und viel Freude.



2001-Mai-15
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Schulen »en detail« erkundet
Vechtaer Studierende lernten französische Lehrerbildung kennen

Vechta – Die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem französischen Schulsystem haben zwölf Studierende der Hochschule Vechta während eines Besuchs in der Partneruniversität von Angers »en detail« erfahren. Unter Leitung der Dozenten Wilhelm Frühling (Chemie) und Dr. Klaus Warneke (Mathematik) besuchte die Gruppe gemeinsam mit Studenten aus Jászberény in Ungarn das Institut für Lehrerbildung in Angers. Das Treffen war Teil eines trilateralen Austausch-Programms, das gefördert vom Deutsch-Französischen Jugendwerk, seit vielen Jahren besteht.

Am Institut Universitaire de Formation des Mattres werden Lehrer für den Unterricht bis zur Sekundarstufe I ausgebildet, nachdem sie eine »Licence«, den ersten akademischen Grad in Frankreich erreicht und eine Aufnahmeprüfung bestanden haben.

Die unterschiedlichen Konzepte der Lehrerausbildung in verschiedenen europäischen Ländern wurden in einer »Studenten-Konferenz« diskutiert: Studenten aus sechs Nationen berichteten aus ihren Heimatländern Frankreich, Deutschland, Polen, Spanien, Luxemburg und Ungarn. Die Konzepte unterscheiden sich erheblich bezüglich der fachlichen und fachdidaktischen Inhalte, der schulpraktischen Anteile und auch der Studiendauer. Auch Hospitationen in verschiedenen Schulen gehörten zum Besuchsprogramm.

Ein besonderer Schwerpunkt war in diesem Jahr die Integration von behinderten Kindern in die »éducation nationale«. Nach Vorträgen wurden Bildungseinrichtungen für Behinderte besucht, darunter eine Schule für sehbehinderte und blinde Kinder mit beeindruckender Ausstattung und Arbeitsweise.

Um Land und Leute kennenzulernen, unternahmen die Vechtaer Studierenden eine Busfahrt an die Atlantik-Küste der Bretagne. Die Hafenstadt St. Nazaire und der mondäne Kurort La Baule waren die Ziele, wo den Studierenden in einer Hotelfachschule ein exquisites französisches Essen gereicht wurde.



2001-Mai-16
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Austausch: Vier Texaner an der Hochschule

Vechta – Noch bis Mitte Juni besuchen vier Studenten der Texas-Lutheran-Universität, Seguin, die Hochschule Vechta. Sie nehmen an einem vierwöchigen Austausch teil. Ziel des Besuchs ist eine Einführung in die Verhältnisse in Norddeutschland. Das vom Wissenschaftsministerium und der Hochschule Vechta geförderte Programm wird vom Auslandsbeauftragten Dr. Helmut Gross, dem Pädagogen Dr. Detlev Lindau-Bank und Prof. Dr. Volker Schulz gemeinsam mit Studierenden organisiert.



2001-Mai-16
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Für Minister Uwe Bartels ist noch alles offen
Focke: Kein Studiengang »International Agribusiness Management« für die Hochschule

Vechta (hib) – Der Traum von einem neuen Aufbaustudiengang »International Agribusiness Management« an der Vechtaer Hochschule ist ausgeträumt. Das erklärte Oberkreisdirektor Albert Focke am Montag auf einer CDU-Versammlung in Bakum. Er bezog sich auf ein Gespräch mit dem Vechtaer Professor Hans-Wilhelm Windhorst, der das Konzept dieses Studienganges entwickelt hatte. Laut Focke hätte die Landesregierung jetzt endgültig die Finanzierung dieser Idee verweigert. »Die lassen uns hier in Vechta hängen«, erklärte er.

Bereits im Vorfeld hatte es Ärger um die Etablierung dieses Studienganges gegeben. Nachdem das Landesministerium für Wissenschaft und Kultur den Standort Vechta in einer ersten Stellungnahme aus organisatorischen Gründen abgelehnt hatte, wandten sich Unternehmer der Region direkt in einem Brief an den Ministerpräsidenten Sigmar Gabriel.

Der hatte zur definitiven Klärung des Sachverhalts das Landwirtschafts-, das Wissenschafts- und das Wirtschaftsministerium um eine gemeinsame zweite Stellungnahme gebeten. Laut Informationen von Focke und Windhorst sei auch diese negativ ausgefallen.

»Die Anforderung einer Stellungnahme gibt es, den Text selber aber noch nicht«, erklärte dagegen Landwirtschaftsminister Uwe Bartels auf Anfrage der OV. »Das Papier liegt noch bei mir auf dem Tisch und wird erst Ende Mai fertig sein«, so der Minister weiter. »Entschieden ist noch nichts.«



2001-Mai-16
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Sonntagsreden und das politische Trauerspiel

Von Andreas Kathe

In den Sonntagsreden der Politiker klingt es immer so schön: Wir in Niedersachsen sind das Bundesland Numero eins, wenn es um die Ernährungsindustrie geht. Und natürlich werde man immer dafür eintreten, diesen Zweig der Wirtschaft zu unterstützen.

Wenn es aber zum Schwur kommt, sieht die Sache ganz anders aus: Ist es überhaupt politisch erträglich, dass ausgerechnet eine rote Landesregierung das schwarze Vechta unterstützt? Hat eine so kleine Hochschule einen solchen Studiengang verdient, wenn wir doch so tolle Einrichtungen an der großen Uni Göttingen haben? Politische Taktik, Neid, regionales Kirchturmdenken bestimmen die Diskussion.

Über zwei Jahre geht das Gezerre um den Studiengang Agrarbusiness hin und her. Schon das ist ein Trauerspiel und eine Nervenbelastung für den engagierten Vechtaer Professor Windhorst, der das wegweisende Konzept erarbeitete. Sollte der Studiengang von der Landesregierung jetzt endgültig »beerdigt« werden, bestätigt sich eine alte Wählerweisheit aufs Neue: Außer Sonntagsreden nichts gewesen ...



2001-Mai-16
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Das war eine Frechheit
Zu: »Eine Lesung ganz ohne Schriftsteller« vom 7. Mai:

Sicherlich kann man eine Person, die sich stark auf Gefühl, auf Religiosität und auf Meditation einlässt, kritisch bewerten. Aber sich so selbstherrlich über die Stimmungen eines sehr differenziert zusammengesetzten Publikums hinwegzusetzen, ihm den Stempel der unkritischen und leichtgläubigen Schäfchen aufdrücken, das lässt sich nach meiner Einschätzung nur mit Frechheit bezeichnen.

Ein Mann der seit 25 Jahren schreibt und eine Leserschaft hat, die in die Millionen geht, kann nicht mit einem Federstrich als Nicht-Schriftsteller bezeichnet werden, schon gar nicht von einer jungen Dame, die mit Sicherheit seine gesammelten Werke nicht zur Kenntnis genommen hat. Das grenzt an Unverschämtheit.

Es ist kaum anzunehmen, dass der für ökumenisches und christliches Engagement bekannte Kreuzverlag eine eigene Edition mit einem Autor einrichten würde, wenn es sich tatsächlich nur um einen »Jürgen Fliege für Anspruchsvolle« handeln würde. Die vier Grundgedanken, unter die Schaffer seine Lesung stellte, werden nicht erwähnt. Das: Erlebe den Augenblick mit allen Sinnen (1), lass das Erlebte auf dich wirken und denk darüber nach (2), lebe immer mit Hoffnung (3) und gib diese Lebenshaltung an deine Umgebung weiter (4), wurde plausibel veranschaulicht. So kann eine »unabhängige christliche Tageszeitung« mit einem der herausgehobenen christlichen Mystiker nicht umgehen, wenn sie nicht auf Boulevardniveau sinken will.

Prof. Eberhard Ockel
Philosophenweg 20
Vechta



2001-Mai-17
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Keine Idylle für alle Studenten
Zum Thema Aktualität der Gelben Seiten:

Die jüngst verteilten »Gelben Seiten regional« enthalten, wie in der OV bereits angekündigt, unter anderem einen neuen Beitrag »Studieren«. In ihm wird auch die Hochschule Vechta vorgestellt und gerühmt. So heißt es dort: »Hervorragend ist die Betreuungsrelation an der Hochschule Vechta: Auf einen Lehrenden kommen etwa 20 Studierende – dies garantiert eine intensive Betreuung und kurze Studienzeiten als optimale Vorbereitung auf den Berufsstart.« Mag dieses wirklich vorzügliche Verhältnis für einige Fächer, vor allem in den neuen Studiengängen, gelten – im Lehramtsbereich, Vechtas eigentlicher Säule, existiert die Idylle nicht. Im größten dort angesiedelten Fach, der Germanistik, studieren über 500 Studenten. Ihnen stehen drei Professoren, ein Hochschuldozent und drei wissenschaftliche Mitarbeiter (auf unterschiedlichen Stellen, darunter auch solchen des wissenschaftlichen Nachwuchses) gegenüber. Auf einen germanistisch Lehrenden kommen also mehr als 70 Studenten – dies kann keine intensive Betreuung und kurze Studienzeiten als optimale Vorbereitung auf den Berufsstart garantieren. Wie man hört, ist eine der sieben Stellen in Gefahr, gestrichen zu werden. Die Betreuungsrelation verschlechterte sich dann auf 1 zu über 80.

Professor Dr. Wilfried Kürschner
Universität in Vechta



2001-Mai-18
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Agrarforscher entwickeln Vechtaer System

Vechta – Das Forschungs- und Studienzentrum für Veredelungswirtschaft Weser-Ems hat den Forschungsbericht für das Jahr 2001 vorgelegt. In insgesamt elf Arbeitsbereichen wird am Vechtaer Veredelungsinstitut der Uni Göttingen gearbeitet. Schwerpunkte lagen in der Bioverfahrenstechnik, wo für die Schweinehaltung ein Entmistungssystem zur Reduzierung von Gerüchen entwickelt wurde. Für die Schweinehaltung wurde ein »System Vechta« erarbeitet. Die neue Methode heißt Zweiraumkompoststall. Den Jahresbericht gibt es unter Telefon 04441/15448.



2001-Mai-18
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Homogenes Angebot gefordert
Entschließung zur Hochschule Vechta im Landtag verabschiedet

Vechta (reh) – Die Zukunft der Hochschule Vechta war am Mittwochnachmittag Thema im niedersächsischen Landtag.

Gegen die Stimmen der CDU-Fraktion verabschiedete der Landtag eine Entschließung, die nach Angaben der SPD-Abgeordneten Harald Groth »ein Bekenntnis zur Hochschule Vechta und zu den Inhalten und Ressourcen des Konkordates« darstellt. Gleichzeitig werde die Hochschule aufgefordert, mit Hochschulrat und der wissenschaftlichen Kommission des Landes bis Ende 2001 ein Konzept für ein homogenes Lehrangebot zu erarbeiten. Dies könne dann bis 2004 umgesetzt werden und die Zukunft und Konkurrenzfähigkeit sichern. Die CDU habe anders als die SPD, so Groth, in der Entschließung festschreiben wollen, dass die Hochschule sich mehrere Schwerpunkte setzen soll. »Wir wollen es aber der Hochschule überlassen, ob sie sich zusätzlich zur Lehrerausbildung einen weiteren Schwerpunkt sucht.«

Demgegenüber ist die CDU, die 1999 eine Entschließung beantragt hatte, nach Angaben ihres Abgeordneten Friedhelm Biestmann der Ansicht, dass das Lehramtsangebot durch weitere wissenschaftliche Studienangebote ergänzt werden müsse. Im Landtag bezeichnete Biestmann die »hochschulpolitische Bilanz und die Zukunftsperspektive als sehr ernüchternd.« Er forderte die Landesregierung auf, sich nicht an »dehnbaren Begrifflichkeiten festzuhalten, sondern Vechta konzeptionell zu entwickeln.«

Froh über die Entschließung ist hingegen Hochschulrektor Jürgen Howe. »Dieser wichtige Beschluss bietet gute Chancen für die Weiterentwicklung der Hochschule«, erklärte er auf Anfrage der OV. Mit dieser klaren Vorgabe wolle man nun das geforderte Konzept entwickeln.



2001-Mai-18
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Liebe und Mord als historisches Gleichnis
Reemtsma über Homers Odyssee

Von Jürgen Suhr

Vechta – Jan Philipp Reemtsma ist ein Mann der leisen Töne. Man musste schon genau zuhören, um seinen interessanten Ausführungen über das fast abschreckend betitelte Thema »Einige Gedanken zum 426. bis 438. Vers des 24. Buchs der Odyssee« folgen zu können. der Vortrag des bekannten Hamburger Literaturwissenschaftlers an der Hochschule Vechta fand im Rahmen der Reihe »Vechtaer Akzente« statt, bei der Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kunst und Medien zu Wort kommen.

Der 49-jährige Prof. Dr. Jan Philipp Reemtsma, der 1980 seinen geerbten Anteil am Zigaretten- und Bierimperium für 300 Millionen Mark verkaufte, studierte Literaturwissenschaft und Philosophie und gründete 1984 das Hamburger Institut für Sozialforschung, das er heute leitet. In Essays und Reden äußert er sich häufig zu historischen und aktuellen Themen.

Vor Beginn seines Vortrags begrüßte er vor fast gefülltem Hörsaal die reizvolle Gelegenheit, über ein frei gewähltes Thema zu sprechen. In diesem Fall war es die seltsame Stelle gegen Ende der »Odyssee«, wo der Vater des von Odysseus erschossenen Freiers Antinoos, Eupeithes, das Tun des Helden verurteilt. Was, so fragte der Literaturwissenschaftler, hat Homer bewogen, diese Zeilen, zumal an einem so »formwidrigen Ort nach Showdown und Happy End« im Epos zu platzieren? An Hand von vielen Zitaten belegte er, dass die Weigerung Penelopes, einen der Freier zu erhören, durch ihre Liebe zu Odysseus erklärt wird. Sie und ihr Gatte seien »große Liebende«, Homer singe das »Hohelied der Lebensgemeinschaft bis dass der Tod uns scheidet«. Aber er deute in dieser Stelle darauf hin, dass es kein moralisches, »über alles in der Welt« gebe, dass unbedingtes Streben nach individuellem Glück zu öffentlichem Unglück führe. Am Ende sei das Gemetzel unter den Freiern eine Parallele zum Ende der mykenischen Kultur, zum Untergang einer Kriegerkaste, die »mörderisch begann und selbstmörderisch wurde«.



2001-Mai-18
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Texanische Gäste im Rathaus empfangen
Bürgermeister Kühling würdigt Austausch als wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung

Vechta (reh) – Weit gereiste Besucher waren gestern im Vechtaer Rathaus zu Gast: Bürgermeister Kühling begrüßte hier acht Studierende der Concordia-Universität in Austin und der Texas-Lutheran-Universität in Seguin mit ihren Begleitern. Die jungen US-Amerikaner halten sich bis Mitte Juni als Austauschstudenten der Hochschule Vechta in der Kreisstadt auf. In seinem Grußwort lobte Kühling den Wunsch der Gäste, ein neues Land, dessen Bewohner und Kultur kennen zu lernen und würdigte ihren Besuch als wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung. »Bei uns werden Sie erfahren, dass besonders junge Menschen in Deutschland ganz ähnliche Sorgen, Ängste, Hoffnungen und Wünsche haben wie die Menschen in den Vereinigten Staaten«, sagte der Bürgermeister.

Daraus könnten, so Kühling weiter, die Gäste die wichtige Erkenntnis gewinnen, dass juinge Menschen überall auf der Welt viel verbinde. Dem seit Jahren bestehenden Austauschprogramm der Hochschule Vechta mit ihren amerikanischen Partnern wünschte er auch weiterhin Bestand und betonte, dass ohne die gegenseitigen Besuche auch die Städtepartnerschaft zwischen den Städten Seguin und Vechta nicht zustande gekommen wäre.

Organisiert haben den Aufenthalt der Texaner in Vechta, der Teil des Niedersachsen-Texas-Programms ist, der Auslandsbeauftragte Dr. Helmut Gross, der Schulpädagoge Dr. Detlev Lindau-Bank und der Anglistik-Professor Dr. Volker Schulz mit Vechtaer Studierenden. Sie planen neben Referaten in der Hochschule und Unterrichtsbesuchen an Schulen Fahrten und Ausflüge. Diese sollen etwa nach Berlin, Potsdam und Weimar oder zu den Wirkungsstätten Martin Luthers in Wittenberg und Eisenach führen.

Ziel des Programms, das das niedersächsische Wissenschaftsministerium und die Hochschule Vechta fördern, ist eine Einführung der Besucher in die historischen und aktuellen Verhältnisse in Deutschland.

Foto (Kokenge): Vechta begrüßt Texaner: Bürgermeister Bernard Kühling (Mitte) und Dr. Frank Käthler (r.) hießen die Gäste aus den Vereinigten Staaten im Namen der Stadt Vechta willkommen.



2001-Mai-19
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Macht kontra Gewalt in der modernen Welt
Vortrag über Möglichkeiten in der Gruppe

Vechta – Im Rahmen der Vorlesungsreihe »Extremismus und Gewalt in der Gesellschaft« an der Hochschule Vechta sprach Dr. Christina Schües, Hochschulassistentin im Fach Philosophie, kürzlich über das Thema »Gewalt oder Macht – Politisches Handeln im Anschluss an Hannah Arendt.«

Am Beispiel des heute wieder stark zunehmenden Rechtsradikalismus machte sie deutlich, was für sie Gewalt bedeutet. Ein wesentliches Element ist für Schües eine Entmenschlichungsstrategie, die Gewalt legitimiert. Dem Mensch würde seine Daseinsberechtigung abgesprochen. Sie zitierte die Philosophin und Politikwissenschaftlerin Hannah Arendt, die 1949 schrieb: »Einzig der Verlust der politischen Gemeinschaft ist es, der den Menschen aus der Menschheit herausschleudern kann«. Menschen würden durch Gewalt und ein Klima der angst vor Gewalt vereinzelt und aus der politischen Gemeinschaft herausgeschleudert.

Gegen die Gewalt kann eine Gesellschaft nach Auffassung von Schües aber vorgehen, wenn sie nur ihre »Macht« ausspielt. Der Begriff »Macht« steht für Schües als der Gegenpol zur Gewalt. Macht bedeutet in Schües Sinne aber nicht Herrschaft über Menschen, sondern, wie Hannah Arendt es einmal formulierte, eine Kraft, die entsteht wenn sich Menschen zusammentun, um sozial isolierten Personen zu helfen. Diese muss der politische Minimalkonsens sein.

Der einzelne Mensch würde erst mächtig in Zusammenarbeit mit anderen Personen, sagte Schües. Der Vortrag endete mit einem Plädoyer von Schües für eine Zusammenarbeit der Menschen. Man sollte die Initiative ergreifen und sich für eine politische Gemeinschaft einsetzen, in der die einzelnen in ihrer Verschiedenheit anerkannt werden und Rechtsextremismus nicht toleriert wird. Nach dem Vortrag wurde bei einer Zuschauerdiskussion heftig über den Vortrag gestritten. Besonders die Bewertung des Wortes »Macht« wurde heftig diskutiert. Einige Zuhörer waren der Meinung, das Macht auch mit Gewalt zu tun hat.



2001-Mai-19
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Mehr Praxisorientierung in der Uni
Vechtaer Studentinnen stellen Ergebnisse ihrer Umfragen unter den Theologen vor

Vechta – Mehr Praxisorientierung in der Lehre: Mit 93 Prozent der Studierenden stach diese Forderung besonders in der Befragung hervor. Zum Auftakt einer Ringvorlesung im Rahmen des zweisemestrigen Projektes »Elementarisierung« stellten die Vechtaer Theologiestudentinnen Christiane Quaing, Tanja Kaiser und Christine Schepers die Ergebnisse ihrer Befragung von 126 Kommilitonen vor.

Doch nicht nur der Wunsch nach mehr Praxis soll von den Theologieprofessoren verwirklicht werden. Auch persönliche und religiöse Fragestellungen sowie Hilfen den Glauben im Alltag zu leben, verlangten viele der angehenden Akademikerinnen. Aus Sicht der Studierenden werden in den angebotenen Veranstaltungen zu selten aktuelle Themen behandelt. Auch die Auseinandersetzung mit anderen Religionen findet nicht genug statt. Bei der Erstellung des Veranstaltungsplans sollte künftig auch berücksichtigt werden, dass 87 Prozent der Studentenschaft ihren Tagesablauf nicht völlig auf das Studium ausrichten können, da sie nebenbei arbeiten müssen.

Aus den Antworten wurde außerdem erkennbar, dass viele Studierende des Faches kaum oder gar nichts über die zweite Ausbildungsphase, dem Referendariat, und dessen Anforderungen wissen.

Der Fachbereich wird vom weiblichen Geschlecht dominiert, 90 Prozent der Theologiestudierenden sind Frauen. Die jungen Studierenden stammen meist aus Kleinstädten oder ländlichen Gegenden, die katholisch geprägt sind (84 Prozent).

Auffallend waren die Antworten auf die Frage zur Studienmotivation. Einen besseren Religionsunterricht zu erteilen als ihre eigenen Religionslehrer wollten 63 Prozent. Die familiäre Erwartungshaltung empfanden 15 Prozent der Studierenden als ausschlaggebend für ihren Entschluss, dieses Fach zu studieren. Die Reaktion des familiären Umfelds auf ihre Studienwahl war überwiegend positiv. Freunde und Fremde hingegen reagieren oft negativ.

Der Verlauf der Ringvorlesung wird zeigen, ob die Erwartungen der Studenten erfüllt werden können. Die Ringvorlesung wird am Montag (21. Mai) um 18 Uhr mit Prof. Dr. Raimund Lachner und dem Thema »Communio – eine Grundidee des christlichen Glaubens – Ein Beitrag zur Elementarisierung des Faches Dogmatik« in Raum N 7 der Hochschule fortgesetzt.



2001-Mai-19
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Ringvorlesung »Aktive Bürger fördern«

Dr. Gerd Placke hielt am vergangenen Donnerstag seinen Vortrag »Welchen Beitrag können Freiwilligenagenturen für den ehrenamtlichen Bereich leisten«. Die Ringvorlesung »Aktive Bürger fördern« wird am Donnerstag (31. Mai) im Hörsaal B 1 fortgesetzt.



2001-Mai-19
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Studis entfernten Transparent

Vechta – In der Nacht zu Donnerstag (17. Mai) haben Unbekannte im Vorfeld des Vortrages von Prof. Dr. Jan Philipp Reemtsma an der Vechtaer Hochschule ein Spruchband von der Fußgängerbrücke über die Universitätsstraße gehängt, das einen rechten Hintergrund erkennen ließ. AStA-Sprecher Hans-Michael Petersen widersprach gestern dem Eindruck einer studentischen Aktivität. Der AStA und die Studentenschaft distanziere sich ausdrücklich. Das Transparent sei gegen 9 Uhr morgens von Studenten entfernt worden.



2001-Mai-21
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Architektur in Theorie und Praxis
Vechtaer Architekt Gisbert Geising nimmt Lehrauftrag an der Vechtaer Hochschule wahr

Vechta (hib) – Den Zollstock in der Hand sitzen sie in ihrem Seminarraum: Nun junge Damen, alle Studentinnen des Fachs »Gestaltendes Werken« an der Hochschule Vechta. Gespannt lauschen sie dem Vortrag von Gisbert Geising, ihr Dozent, zumindest in diesem Semester. Denn der Vechtaer Architekt hat einen Lehrauftrag an der Vechtaer Hochschule angenommen, will den Werk- und Designpädagogen einen praxisnahen Einblick in das weite Feld der Architektur geben, mit ihnen die Welt der Mauern und Gebäude neu erkunden.

So diskutiert er mit ihnen über die Aspekte von Raumgestaltung, mit denen praktische Nutzbarkeit und künstlerische Elemente im Einklang verwirklicht werden sollen, vermittelt eine Vorstellung von Maßen und Proportionen. »Mir ist es wichtig, dass künftige Lehrer einen Einblick in die Praxis bekommen«, erklärt Geising seine Motivation. »Schimpfen über die gelegentlich unzureichende Ausbildung an den Hochschulen kann jeder, man muss auch mal selbst was dagegen machen«, findet der Architekt.

Und Spaß macht ihm die Diskussion mit den künftigen Pädagogen auch. Nicht nur wegen der zwei Exkursionen, die auf seinem Seminarplan stehen: Nach einem Ausflug in die Region fahren die Seminarteilnehmer sogar nach Rotterdam (Niederlande), um sich dort eine Indoor-Ski-Halle anzusehen.

Dabei ist Geisings Kurs »Architekturtheorie – nachhaltige Architektur und Stadtentwicklung« nur ein Beispiel für die gute Ausbildung, die die Vechtaer Studenten des Fachbereichs »Gestaltendes Werken« genießen. Immerhin wurde Prof. Dr. Karl-Eckard Carius, Leiter des Fachbereichs, bereits in einem Gutachten des Wissenschaftsrats für den hohen Anspruch und die besondere Qualität der Lehre in der Kreisstadt gelobt. Ein Anspruch, dem auch Geising als neuer Dozent auf jeden Fall gerecht werden will.



2001-Mai-23
Rundschau am Mittwoch

Besuch und Vortragsthema mit Ausnahmecharakter
Prof. Dr. Philipp Reemtsma vom Hamburger Institut für Sozialforschung vortragender Gast an der Hochschule

Zweiter Vortrag in der Reihe »Vechtaer Akzente« der Hochschule

Von Michaela Gerner

Vechta. Das Thema ist es in den allermeisten Fällen, das Menschen zum Besuch eines Vortrages veranlasst. Ob es am vergangenen Donnerstag andere Gründe waren, die Scharen von Zuhörern in die Aula der Hochschule Vechta lockten, darüber war sich der Referent selbst nicht ganz sicher. Prof. Dr. Jan Philipp Reemtsma nahm diese Überlegung zum Anlass, in humorvoller Weise in seinen Vortrag über die Verse 426 bis 438 des 24. Buches der Odysee einzuleiten. »Wenn jemand kommt, um eine Person zu sehen, die aus dem Fernsehen bekannt ist, dann doch nicht um den Preis eines total langweiligen Vortrages.« Langweilig war das Thema um Liebe und Machterhalt, das sich der Germanist selbst gewählt hatte, keineswegs – aber sicher für den Zuhörer, der sich in der Literatur des alten Griechenland wenig auskennt, schwer zu fassen.

Staunen rief die außergewöhnliche Wahl des Vortragsthemas, aber auch Umstände des Besuches des Hamburger Universitätsprofessors hervor. Vor dem Gebäude der Hochschule hatten sich mehrere Polizeiwagen postiert, der Tascheninhalt der Besucher des Vortrages wurde in Augenschein genommen.

In der Nacht zum 17. Mai hatten Unbekannte ein Spruchband von der Fußgängerbrücke über die Universitätsstraße in Vechta gehängt: »Unsere Väter waren keine Mörder« stand in Anspielung auf die Ausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht auf dem Transparent: Diese Wanderausstellung war vom Hamburger Institut für Sozialforschung, dessen Gründer und Geschäftsführer Reemtsma ist, organisiert worden und hatte bis in das vergangene Jahr vielschichtige Kritik, aber auch Proteste und Anschläge aus der rechten Szene ausgelöst. AStA und die Hochschulleitung gaben eine gemeinsame Presseerklärung zu dem Transparent heraus. Dazu Hans-Michael Petersen, AStA-Sprecher: »Die Machart des Transparentes legt den Eindruck nahe, es handele sich dabei um eine studentische Aktivität. Dies ist nicht der Fall. Um 9 Uhr wurde das Transparent im Auftrag des AStA abgenommen«. Rektor Howe zeigte sich erfreut über das rasche Einschreiten des AStA.

Das Auftreten Reemtsmas wirkte durch dieses Ereignis kaum wie eine rein akademische Veranstaltung.

Foto (Gerner): Rektor Jürgen Howe mit Prof. Dr. Jan Philipp Reemtsma und Martin Schweer.



2001-Mai-26
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Frauengefängnis wird ausgebaut
Biestmann diskutierte mit Vechtaer Ratsmitgliedern – Sorge um Uni

Vechta (su) – Seine politische Arbeit für die Kreisstadt Vechta mit ihren vielen zentralen Einrichtungen hat der CDU-Landtagsabgeordnete Friedhelm Biestmann am Dienstag im Verwaltungsausschuss des Stadtrates vorgestellt. Biestmann äußerte seine Sorge über die Hochschulpolitik der Landesregierung. Es sei nicht zu erkennen, »dass das Land den Hochschulstandort Vechta stützt«.

Weit zufriedener könne man mit dem Stellenwert des Vechtaer Justizvollzugs in der Hauptstadt sein. Die in Vechta geleistete Arbeit werde in Hannover geschätzt. Biestmann informierte darüber, dass das Dachgeschoss der Frauen-JVA in Vechta in Kürze ausgebaut werde. 40 neue Haftplätze werden dort entstehen. Auch ein weiterer Lehrgang in der Justizvollzugsanstalt werde eingerichtet, außerdem werde der Standort von der Zusammenarbeit zwischen Niedersachsen und Bremen im Strafvollzug profitieren. Von Seiten der Stadträte sei er zur nachhaltigen Unterstützung der NordWestBahn aufgefordert worden, erklärte Biestmann. Dieses Anliegen verliere er nicht aus den Augen.



2001-Mai-26
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Pionier der Umweltinformatik
Geoinformatiker habilitierte über Umweltinformationssysteme

Vechta – Mit einer Vorlesung zum Thema »Freier Zugang zu Umweltorganisationen – Innovationen in einem technischen, normativen und organisatorischen Kontext« schloss jetzt Dr. habil. Helmut Lessing sein Habilitationsverfahren am Institut für Umweltwissenschaften (IUW) der Hochschule Vechta ab. In seiner Habilitationsschrift setzt sich der Geoinformatiker mit Konzeption, Aufbau und Entwicklungsstand von Umweltinformationssystemen unter Berücksichtung von Metainformationen auseinander.

Lessing arbeitet bereits seit Mitte der 80-er Jahre zu Fragestellungen der Entwicklung und des Aufbaus von Umweltinformationssystemen und ist damit einer der »Pioniere« der Umweltinformatik.

Bei der Entwicklung der ersten Umweltinformationssysteme galt es, vorhandene Fachinformationssysteme einzubinden und zugleich offen für neue Entwicklungen der Informationsverarbeitung zu sein, damit notwendige Informationen zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort verfügbar sind.

Im Niedersächsischen Umweltministerium konzipierte Lessing zu Beginn der 90-er Jahre das Umweltinformationssystem NUMIS und trieb als Projektleiter seine Entwicklung voraus. Teilsysteme sind ein Umweltführungsinformationssystem, ein Umweltdatenkatalog und ein Umweltdaten-Thesaurus. Die von Lessing entwickelten Systeme haben Standards gesetzt und wesentliche Impulse für die Weiterentwicklung von Umweltinformationssystemen und Metadatenverarbeitung gegeben.

Das Architekturschema des Umweltdatenkatalogs wird heute in den meisten Bundesländern, in Österreich und in der Schweiz eingesetzt. Der auf dem von Lessing konzipierten Thesaurus bauende europäische ‚Catalogue of Environmental Data Sources‘ (CDS) ist inzwischen in über zehn Sprachen verbreitet.



2001-Mai-29
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Gabriel fordert mehr Eigeninitiative von Regionen
SPD-Konferenz in Ganderkesee /
Ministerpräsident lobt Vechtaer Kompetenzzentrum Ernährungswirtschaft

Von Kathrin Schirmer

Stenum-Ganderkesee – Die Regionen Niedersachsens sollten Prioritäten setzen, meinte Ministerpräsident Sigmar Gabriel gestern bei einer Regional-Konferenz der SPD in Ganderkesee.

Weil die finanziellen Mittel von Land und Bund angesichts schwächelnder Konjunktur und sinkender Steuern nicht mehr würden, müssten die Regionen die Frage beantworten, welche Projekte wirklich notwendig seien, erklärte Gabriel. Diese Entscheidungen sollten am Ort fallen, nicht in Hannover. Der Ministerpräsident gab die Devise aus: »Stärken stärken!«

Die Zusammenarbeit von Bremen und Niedersachsen soll in Zukunft verstärkt auf regionaler Basis vorangetrieben werden, kündigte Gabriel an. Zu den Stärken der Region Weser-Ems zählte Gabriel die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, öffentlicher Hand sowie Wissenschaft und Forschung. Der Landesvater lobte auch die Regionale Innovationsstrategie (RIS) und die daraus abgeleiteten Projekte, zum Beispiel das Kompetenzzentrum Ernährungswirtschaft in Vechta, vor anderthalb Jahren gegründet. »Ein wirkungsvolles Instrument, um innovative Betriebe der Ernährungswirtschaft in der Region zu fördern.«

Das Kompetenzzentrum stelle den Unternehmen wichtige Produktionsfaktoren zur Verfügung: Informationen und Wissen. Beispiele für erfolgreichen Wissenstransfer von den Hochschulen in die Ernährungswirtschaft nannte Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Oldenburg. Doch handele es sich nur um isolierte Initiativen. »Was fehlt, ist eine breite Vernetzung.« Nur so könne der Wissenstransfer der enormen Bedeutung gerecht werden, die die  Ernährungswirtschaft für den Nordwesten habe.



2001-Mai-30
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Erster Romberg-Band fertig
Zwei Musikwissenschaftler arbeiten an 16-teiliger Edition

Vechta – Wer Prof. Dr. Karlheinz Höfer und Dr. Klaus G. Werner nach ihrem Lieblingskomponisten fragt, der braucht auf eine Antwort nicht lange zu warten: Andreas Jakob Romberg. Und da dieser 1767 in Vechta geborene Musiker und sein Werk noch immer viel zu unbekannt sind, haben die beiden sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Eine 16-bändige Romberg-Edition »Ausgewählte Werke« wollen sie zusammenstellen.

Viel Arbeit, doch immerhin: Das erste Teilstück ist schon geschafft, denn am Dienstag, (5. Juni) werden sie im Vechtaer Kreishaus den ersten Band dieses Gemeinschaftswerkes vorstellen können. Gesponsert werden die beiden heimischen Musikwissenschaftler – Höfer lebt in Vechta und Werner in Cloppenburg – von der Kulturstiftung der Öffentlichen Versicherung, Oldenburg, und dem Landkreis Vechta.

Romberg wirkte unter anderem in Bonn, Gotha, Wien und Hamburg. Er war ein Freund Joseph Haydns und pflegte auch mit Ludwig van Beethoven musikalischen Kontakt. Sein Werk ist in Umfang und Art dem Haydns durchaus vergleichbar: Die Liste seiner Kompositionen enthält Werke aller im 18. Jahrhundert bekannten und beliebten Gattungen.

Weitere Infos gibt es unter www.musikforschung.de

Foto: Romberg-Forscher Prof. Dr. Karlheinz Höfer